Sonntag, 8. Januar 2012

Mein Feind der Baum

Hm, wie fang ichs an? Vielleicht fast am Anfang.

Nachdem ich mit konstantem Haare färben über zwei Jahre hinweg meine Haare soweit kaputt hatte, dass ich sie ausnahmsweise unfreiwillig (hin und wieder soll ich sie schon einfach schneiden lassen haben weil ich es so wollte!) kurz machen ließ, bin ich auf Henna umgestiegen. Das habe ich jetzt etliche Jahre gemacht, ohne negative Folgen. Aber seit einiger Zeit schon sticht mich der Hafer. Ich wüsste zu gerne wie ich mit schwarzen Haaren aussehe, ich glaube ja, die ultimative Katastrophe wäre es trotz meiner recht hellen Haut nicht. Immerhin ist meine Haut eher hellgelb als hellrosa, daher denke ich, das wäre schon in Ordnung. Doch da ich nicht mehr chemisch färben will, ist das halt schwer.
Übrigens ist einer der Gründe warum ich nicht einfach schwarz mit chemischer Farbe drübergehe auch der, dass ich gelesen habe wenn man mit Chemie über Henna färbt, können sehr abenteuerliche Dinge rauskommen, wie zum Beispiel Magenta. Ich weiß nicht ob es stimmt, aber ich will es auch nicht drauf ankommen lassen.

Ich benutze Henna der Marke Styx, die Farbe nennt sich Rot Stark. Von Styx gibt es auch sogenanntes schwarzes Henna. Hmm. Da war doch mal vor Jahren etwas mit schwarzen Henna Tattoos die heftige allergische Reaktionen ausgelöst hatten, mit der Erwähnung dabei dass rotes Henna unschädlich ist. Also fängt man an zu suchen, und die Antwort ist erschreckend einfach: Es gibt kein schwarzes Henna. Es gibt rotes Henna dem ein chemischer Farbstoff, PPD, beigefügt ist, und der ist recht aggressiv. Also ließ ich auch vom schwarzen Henna die Finger und habe mich damit zufrieden gegeben, dass dieses Experiment wohl nicht stattfinden wird.
Hätte ich doch mal weitergelesen. Als schwarzes Henna wird fälschlicherweise auch oft die sogenannte Indigofera bezeichnet, die Pflanze aus der man, man glaubt es kaum, Indigo gewinnt. Bekanntlich werden mit Indigo Jeans gefärbt, also sollte man mit blonden Haaren damit vorsichtig sein, immerhin will man ja nicht blau oder grün oder eine sumpfige Farbe zwischen den beiden haben. Nun sind meine Haare aber recht kräftig rot, und in dem Fall macht die Mischung nicht violett, sondern fast schwarz mit rötlich braunem Schimmer. Manche Leute scheinen auch Indigo und Henna zu mischen.
Will man wissen ob das schwarze Henna das man gekauft hat mit Chemie versetzt ist oder ob es wirklich Indigo ist, gibt man einfach Wasser dazu und schaut was passiert. Wenn das ganze blauschwarz wird, hat man gewonnen. Und wenn das ganze schon nach Staude riecht, auch. Mein schwarzes Henna ist also tatsächlich Indigo.
Halt. Nein, es ist natürlich nicht Indigo. Indigo ist ein blaues Pigment, und in dem Säckchen ist grünliches Blattzeugs. Einfach erklärt wird durch den Kontakt mit Wasser neben Zucker der Stoff Indican draus. Der wieder wird im Kontakt mit Sauerstoff zum Pigment Indigo. Dabei ergibt sich das Problem, dass Indigo als Pigment nicht am Haar haftet, also muss man das Zeug in die Haare tun wenn es noch Indican ist. Außerdem mag es das Zeug nicht wärmer als 60 °C, im Gegensatz zu Henna, das gerne vor sich hinköchelt.

Das alles wusste ich beim ersten (und zweiten) Versuch nicht, und in der Beschreibung steht genau derselbe Text wie beim Henna. Daher hat man nach Runde 1 genau nichts gesehen, nach Runde 2 wars doch dunkler, aber nicht sehr.
Die Frage ist doch jetzt, wie mische ich Henna und Indigo, wenn die unterschiedliche Bedingungen wollen?
Naja. Man kocht sich die Hennasuppe, bisschen dünnflüssiger als normal, für 10 Minuten, lässt sie dann runterkühlen unter 60 °. Währenddessen kann man alles was nicht gefärbt werden soll im Bad in Sicherheit bringen, sich die Haare schon mal aus dem Weg stecken, und so fort. Die Temperatur kann man zur Not ja mit einem Küchenthermometer messen. Dann trägt man das abgewogenen Indigo und den Topf mit der Pampe ins Bad und mischt dort das Indigo drunter. Zur Not kann man warmes Leitungswasser reintun, so heiß wie bei Henna brauchts ja nicht werden. Dann sollte man so schnell wie möglich den Motschger auf den Kopf bekommen, einwickeln und warten. Nach zwei Stunden tut sich bei Indigo nichts mehr (bei Henna würde man ja immer intensiver färben wenn mans länger lässt) und man kann getrost den Baum aus den Haaren spülen.

Dieses Experiment werde ich dann nächste oder übernächste Woche vollziehen, das Mischungsverhältnis Henna zu Indigo wird wohl 1:4 reichen: Das reine Indigo hat meinen Ansatz nämlich nicht blau oder grün gemacht, sondern einfach schwer definierbar dunkel. Insofern sollte ich dann unfallfrei sein, und zur Not haben bei uns ein paar Frisöre am Samstag offen. Wenn die es dann noch schlimmer machen als es war, kann ich mich wenigstens rausreden.
In der Apotheke habe ich schon Xanthan bestellt, ein Kniff den ich bei der ganzen Sucherei auch gefunden habe. Xanthan ist ein Verdickungsmittel das unter anderem in billigem Ketchup und in manchen Kosmetika ist, ist völlig harmlos, und hilft dass man kein Bröselzeug von der Konsistenz von feinem nassen Sand hat, sondern tatsächlich was geliges. Das ist jedenfalls der Plan. Mal sehen.

Meine Quelle für die Indigo-Chemie ist übrigens hier: http://www.sirjasseite.kilu.de/haar/indigo.html

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen